Traunstein. Nur eine Tür führte beim ChG Faschingskonzert in die neue Aula des Chiemgau-Gymnasiums – doch wer sie durchschritt, landete mitten im musikalischen Wunderland. Das traditionelle Faschingskonzert unter dem Motto „Jazz im Wunderland“ versprach Großes – und hielt dieses Versprechen von der ersten bis zur letzten Minute. Die Bigband des Chiemgau-Gymnasiums verwandelte den Abend in ein mitreißendes Spektakel aus Jazz, Funk, Show und Humor. Das Publikum zeigte sich vom ersten Ton an begeistert.
Mit einer kraftvollen Blues-Brothers-Revue eröffnete die Bigband das Konzert. Klassiker wie „I Can’t Turn You Loose“, „Soul Finger“ und „Everybody Needs Somebody“ sorgten sofort für beste Stimmung. Druckvolle Bläsersätze, treibende Rhythmen und starke Soli von Altsaxophonist Stefan Rascher (Q12) und Daniel Spiegel (Q12) machten deutlich: Hier standen nicht einfach Schülerinnen und Schüler auf der Bühne, sondern talentierte junge Musikerinnen und Musiker mit spürbarer Spielfreude und großem Können.
Charmant und schlagfertig führte Bigband-Leiterin Christina Veit – selbst kostümiert – gemeinsam mit Studienreferendar Valentin Auer durch das Programm. Letzterer bewies dabei nicht nur Moderationstalent, sondern auch schauspielerisches Geschick: Als übereifriger „Sicherheitsmann“ mischte er sich ans Dirigentenpult und erntete dafür großen Applaus. Das musikalische Kommando jedoch lag klar bei der „Chefin des Abends“ – und nur ihr gehorchte die Bigband.
Für weitere Begeisterung sorgte die Juniorband mit bekannten Filmmelodien. „Flintstones“ und „Ghostbusters“ weckten Nostalgie und animierten das Publikum lautstark zum Mitrufen. Besonders die jungen Klarinettistinnen Hannah Jäger und Johanna Krupp (beide 5. Jahrgangsstufe) überzeugten mit bemerkenswerter Souveränität.
Mit viel Witz kündigte Christina Veit das nächste Highlight an: Eigentlich sei Carlos Santana eingeladen gewesen, habe jedoch kurzfristig abgesagt. Kurzerhand sprang ein „Gitarrist mit nur einer Unterrichtsstunde Erfahrung“ ein – sehr zur Freude des Publikums. Mit tatkräftiger Unterstützung der Zuhörer, die engagiert „East Coast – West Coast“ rappte, entwickelte sich der Latin-Hit zu einem mitreißenden Gemeinschaftserlebnis. Luka Klecina (11c), der in die Rolle Santanas schlüpfte, überzeugte mit beeindruckendem Gitarrenspiel, gefolgt von einem ausdrucksstarken Tenorsaxofon-Solo von Florina Scharf.
Spätestens beim Narhalla-Marsch hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Als „Bruder Gaudientius“ zog Valentin Auer in Ordenstracht und mit Bierkrug in die Aula ein und nahm Lehrer wie Schüler augenzwinkernd aufs Korn. Ob Informatiklehrer im Bieber-Look, Lateinlehrer als Kleopatra, Kunstlehrer Jeffrey Veit als Dalí oder Christina Veit als Erfinderin des Jazzstils „Jil Armstrong“ – niemand blieb verschont. Nur die Mathematiklehrer mussten sich nicht verkleiden, „denn in Mathe muss man schon genug erleiden“. Mit dem wiederkehrenden Trinkspruch „Auf die Freude, auf das Leben, auf Wein und Bier, die Gott gegeben! Prost!“ und musikalischer Begleitung durch „Ein Prosit“ samt Tusch bewies die Bigband einmal mehr ihre stilistische Vielseitigkeit.
Da sich kein Sänger aus dem Publikum fand, sprang kurzerhand Bassposaunist Justus Krebs (Q12) ein und sorgte mit „Feeling Good“ für einen echten Gänsehautmoment. Mit beeindruckender Stimme stellte er unter Beweis, dass er nicht nur sein Instrument meisterhaft beherrscht. Kurz vor der Pause verwandelte Christina Veit mit einem Rap zu „Uptown Funk“ die Bühne in die pulsierende Metropole New York der 70er Jahre – die perfekte Plattform für Breakdancer Sese (Tanzschule Dance & Friends von Petra Weizbauer) sowie Kilian Fuchs (6a) und Nora Belser (7a), die mit einer atemberaubenden Show zu Livemusik begeisterten.
In der Pause stärkten sich die zahlreichen kostümierten Gäste bei Getränken und Pizza und nutzten die Gelegenheit, das fantasievoll gestaltete Bühnenbild von Kunstlehrer Jeffrey Veit näher zu betrachten.
Der zweite Konzertteil begann spektakulär: Eine Physikshow mit eindrucksvollen Experimenten – darunter ein schmelzender Nagel – faszinierte das Publikum. Für den passenden rockigen Soundtrack sorgten die Gitarristen Valentin Gröbner (7c) und Emil Rohrbach (6e), Bassist Dominik Spiegel (Q12) und Schlagzeuger Benedikt Ewald (Q13) mit Musik der Red Hot Chili Peppers. Dank Kameraübertragung konnten alle Zuschauer die Experimente hautnah mitverfolgen.
Mit „The Incredibles“ bewies die Bigband anschließend höchste Präzision bei rasanten Tempi und anspruchsvollen Taktwechseln. Auch bei „Think“ bebte die Aula. Herausragend waren die Posaunensoli von Lucia Hampel (Q12), Justus Krebs (Q12) und Florian Lahr (9. Jahrgangsstufe) sowie das Gitarrensolo von Luka Klecina. Die Fünftklässler von Amelie Liebl sorgten mit einer spritzigen Tanzperformance für zusätzliche Begeisterung.
Das Finale gehörte dem Funk: „Crunchy Frog“ forderte noch einmal alles von den Musikerinnen und Musikern. Virtuose Soli, treibende Beats und sichtbare Spielfreude machten das Stück zum fulminanten Höhepunkt. Besonders beeindruckten die freien Altsaxofon-Soli von Stefan Rascher und Valentin Mayer (Q12), ein ausdrucksstarkes Posaunensolo von Florian Lahr (9d) sowie die energiegeladenen Beiträge von Bassist Dominik Spiegel und Schlagzeuger Jakob Kreitmair (11c).
Die lautstark geforderte Zugabe ließ nicht lange auf sich warten: Mit „Faith“ versammelten sich alle Beteiligten – Musiker, Tänzer, Physiker und Valentin Auer als übergroßer Frosch – noch einmal auf der Bühne. Es wurde getanzt, gelacht und gefeiert.
Als das Publikum schließlich gut gelaunt die Aula verließ, war klar: Dieses Faschingskonzert war weit mehr als eine Schulveranstaltung. Es war ein Abend voller Kreativität, Humor und musikalischer Spitzenleistungen. Christina Veit gelang es erneut, Schülerinnen und Schüler verschiedenster Jahrgangsstufen zu einem beeindruckenden Ganzen zu vereinen. Swingende Saxofone, glitzernde Trompeten, lachende Posaunen und groovende Rhythmen – das Wunderland hatte seine Türen geöffnet. Und niemand wollte es so schnell wieder verlassen. Hob
(Quelle: Text und Bild Hubert Hobmaier)

