Landkreis Traunstein, Traunreut. Der Kreisfeuerwehrverband Traunstein, in dem alle 80 Feuerwehren des Landkreises zusammengeschlossen sind, blickte bei seiner Verbandsversammlung in der Fahrzeughalle der Feuerwehr Traunreut auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die Verantwortlichen konnten eine insgesamt positive Entwicklung vermelden. Besonders erfreulich sind die steigenden Mitgliederzahlen bei Frauen sowie im Nachwuchsbereich. Einerseits gingen zwar die Einsatzzahlen 2025 gegenüber dem Vorjahr zurück, andererseits stiegen jedoch die geleisteten Einsatzstunden erheblich. Außerdem standen Fachvorträge zum Katastrophenschutz sowie die Vorstellung des neuen CBRN-Erkundungswagens auf dem Programm.
Mehr Mitglieder – mehr Frauen – starker Nachwuchs
Kreisbrandrat und Verbandsvorsitzender Christof Grundner berichtete, dass den Feuerwehren im Landkreis derzeit rund 15.300 Mitglieder angehören. Davon leisten 4.928 Feuerwehrfrauen und -männer aktiven Einsatzdienst – 35 mehr als im Vorjahr. Der Frauenanteil stieg innerhalb eines Jahres von 13,05 auf 14,23 Prozent. „Im Landkreis Traunstein gibt es keine Berufsfeuerwehr“, betonte Grundner. Umso wichtiger sei das Engagement der ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Eine der größten Herausforderungen bleibe weiterhin die Sicherstellung der Tagesalarmbereitschaft.
Erfreulich entwickelt sich die Nachwuchsarbeit. In den Jugendfeuerwehren engagieren sich inzwischen 1.017 Jugendliche – fast 60 mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert ist der Mädchenanteil von inzwischen 47 Prozent. Auch bei den Kinderfeuerwehren setzt sich der Aufwärtstrend fort. Im vergangenen Jahr wurden in Holzhausen, Bergen, Altenmarkt, Traunwalchen, Matzing, Stein und Traunreut neue Gruppen gegründet. Mit der Kinderfeuerwehr Tittmoning entstand im Frühjahr bereits die 18. Kinderfeuerwehr im Landkreis. Insgesamt engagieren sich dort rund 340 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren.
149 Jugendliche wechselten im vergangenen Jahr in den aktiven Feuerwehrdienst. Gleichzeitig gab es jedoch 80 Austritte. „Viele junge Menschen begeistern sich für die Feuerwehr. Unser Ziel muss es aber sein, sie langfristig im aktiven Dienst zu halten“, sagte Grundner.
Weniger Einsätze – deutlich mehr Aufwand
2025 wurden im Landkreis insgesamt 2.673 Feuerwehreinsätze registriert. Davon entfielen 541 auf Brände, 1.389 auf Technische Hilfeleistungen, 61 auf Gefahrguteinsätze und 181 auf Sicherheitswachen. Weitere 500 Einsätze wurden unter „Sonstiges“ erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Gesamtzahl der Einsätze um rund 1.200 zurück. Ursache dafür sei vor allem das Ausbleiben größerer Unwetter- oder Naturereignisse.
Dennoch waren die Feuerwehren stark gefordert. 1.935 Einsätze wurden durch die Integrierte Leitstelle Traunstein alarmiert, weitere 738 Einsätze dokumentierten die Feuerwehren selbst – etwa bei kleineren Unwettern, Sicherheitswachen oder Absperrdiensten.
Statistisch rückte alle drei Stunden irgendwo im Landkreis eine Feuerwehr aus. Besonders häufig mussten Wohnungen geöffnet werden – durchschnittlich alle ein bis zwei Tage. Die Drehleitern kamen 70-mal mit dem Rettungskorb zur Unterstützung des Rettungsdienstes zum Einsatz.
Auffällig war außerdem der Anstieg bei den Brandmeldeanlagen. Insgesamt wurden die Feuerwehren zu 374 ausgelösten Brandmeldeanlagen alarmiert – deutlich mehr als im Vorjahr (282). Hinzu kamen 27 Einsätze aufgrund privater Rauchwarnmelder. Damit wurden die Feuerwehren nahezu alle 21 Stunden wegen einer Brandmeldeanlage oder eines Rauchwarnmelders alarmiert. „Das Einsatzspektrum der Feuerwehren geht längst weit über die klassische Brandbekämpfung hinaus“, betonte Grundner.
Obwohl die Zahl der Einsätze zurückging, stieg die Gesamtzahl der geleisteten Einsatzstunden von rund 80.000 auf etwa 100.000 Stunden. Viele Einsätze seien heute wesentlich komplexer als noch vor einigen Jahren. Als Beispiel nannte Grundner Brände mit Batteriespeichern oder Elektrofahrzeugen. Außerdem absolvierte das Hilfeleistungskontingent eine zweitägige Großübung im Landkreis Eichstätt.
Kreisbrandinspektion entwickelt Feuerwehrwesen weiter
Die Kreisbrandinspektion mit ihren 26 ehrenamtlichen Mitgliedern war im vergangenen Jahr bei rund 760 Einsätzen im unterstützend vor Ort und nahm mehr als 4.200 Termine bei Lehrgängen, Übungen, Leistungsprüfungen und Besprechungen wahr. Gesucht werden derzeit ein Fach-Kreisbrandmeister sowie ein Fachberater für den Bereich Gefahrgut.
Neben dem Einsatzgeschehen wurden zahlreiche Projekte umgesetzt. So entstanden unter anderem eine Einstiegshilfe für neue Feuerwehrangehörige und ein Leitfaden für Kinder- und Jugendwarte. Mit dem Tag der Jugendfeuerwehr in Pietling wurde außerdem die Nachwuchsarbeit weiter gestärkt.
Im Bereich Einsatz und Ausbildung wurden zahlreiche Einsatzunterlagen weiterentwickelt. Hinzu kamen ein Pilotprojekt zur digitalen Lagekarte mit Tracking, der Einsatz eines Fahrsimulators sowie die Entwicklung neuer Einsatzkonzepte für Atemschutz und Drohneneinsatz. Ergänzt wurden diese Maßnahmen durch PSNV-Grundschulungen und die Pflege der Stammdaten im KFV-Portal.
Auch die Öffentlichkeitsarbeit wurde weiter intensiviert. Rund 300 Pressemitteilungen veröffentlichte die Pressestelle im vergangenen Jahr und stand dabei im engen und täglichen Austausch mit Feuerwehren und Medien.
Blick auf den Katastrophenschutz
Zum Abschluss der Verbandsversammlung standen zwei Fachvorträge auf dem Programm. Hans-Peter Heimbach, Kommandant der Feuerwehr Trostberg, zeichnete die Entwicklung des Katastrophenschutzes von den Kriegsjahren über den Luftschutz-Brandschutzdienst bis in die heutige Zeit nach.
Anschließend wurde der neue CBRN-Erkundungswagen vorgestellt, der bei der Feuerwehr Traunreut stationiert wurde. Das vom Bund beschaffte Spezialfahrzeug dient der Erkundung und Messung bei chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahrenlagen. Verena Unterstein erläuterte den Gästen die umfangreiche Ausstattung und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Fahrzeugs für den Zivil- und Katastrophenschutz. Hob
(Quelle: Text Hubert Hobmaier – Bild KFV Traunstein)

